Strukturwandel

30 Jahre landwirtschaftliche Effizienz-Entwicklung der Pflanzen-Produktion in der BRD

Tabelle und Interpretations-Text ; 2 Seiten

Modell zu degressiven Ausgleichszahlungen

CO2 - Einsparung durch Fleischverzicht ?

 

Zur Versorgung der Erdbevölkerung mit Nahrung

Prof. agr. Alfons Janinhoff , 59 269 Beckum , Westf.

1. Weltweite Betrachtung

Vielen Menschen ist die Zahl der Erdbewohner im Jahre 2015 bekannt :
Es sind ca. 7,3 Mrd. Dies Zahl nimmt zurzeit noch jährlich um mehr als 80 Mio. Menschen pro Jahr zu (+1,2 %). Das ist etwa die Bevölkerung der BRD.

Nicht so bekannt ist die landwirtschaftliche Nutzfläche der Erde. Diese beträgt ca. 1,4 bis 1,6 Mrd. ha Ackerland und 3,0 bis 3,5 Mrd. ha Grünland. Daher wird häufig nur von Ø 1,5 Mrd. ha Ackerland gesprochen. Wenn man die 7 Mrd. Menschen auf die Ackerlandfläche bezieht, müssen 4,66 Einwohner von einem ha ernährt werden;
oder jedem Erdenbürger stehen zurzeit noch 0,21 ha zur Verfügung. 1959 lebten auf der Welt ca. 3 Mrd. Menschen, sodass jedem Bürger 0,5 ha Ackerland zur Verfügung standen.
Bei dieser Gegenüberstellung wird das Grünland mit einem Flächenumfang von bis zu 3,5 Mrd. ha weltweit vernachlässigt. Es variiert in seiner Ertragskraft erheblich; von der Magersteppe bis zur intensiven Weide mit fünf Nutzungsfrequenzen im Jahr. Im Durchschnitt ist etwa knapp die Hälfte der Ertragsfähigkeit des Ackerlandes anzusetzen. Also würden die 3,5 Mrd. ha Grünland noch circa 1,75 Mrd. ha Ackerland entsprechen.
 Somit stünden jedem Einwohner ca. 0,45 ha (1,5 + 1,75 / 7,3) landwirtschaftliche Nutzfläche weltweit im Durchschnitt zur Nahrungserzeugung (direkt u. indirekt) zur Verfügung. Etwas eingeschränkt dadurch, dass weltweit z.Zt. bereits 2 bis 3 % für die Energieerzeugung genutzt werden; in der BRD schon beachtliche 15 %.


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 2. Kalkulation für die BRD

Auf der beigefügten Tabelle hat der Verfasser dieses Beitrages die exakte Kalkulation der Nahrungsversorgung des Bundesbürgers durchgeführt :
Dazu wurde zunächst der derzeitige durchschnittliche Konsum des Bundesbürgers in kg pro Kopf (PKV) erfasst. Dieser wurde mit dem Getreide-Einheitenschlüssel multipliziert, um alle Nahrungsmittel auf gleichen Nährstoffgehalt vergleichbar zu machen. Dann wurden die PKV von Getreide-Einheiten in Mega-Kalorien bzw. Mega-Joule umgerechnet. Man erhält als Gesamt-Kalorienmenge sehr exakt den jährlichen Gesamtbedarf des Bundesbürgers von 1.207,5 Mcal. = brutto 3,3 kcal je Tag; bei 27 % Verlusten die bekannten 2,4 Kcal. je Tag.

Wichtig ist auch die Aufteilung der Nahrung in den pflanzlichen Bereich (oberer Teil der Tabelle) und tierischem Nahrungsbedarf (untere Hälfte). Kalorisch ernähren wir uns zu 60 % aus pflanzlicher Nahrung und zu 40 % aus tierischer Nahrung.

Ganz anders sieht die Berechnung aus, wenn der Flächenanspruch berücksichtigt wird, der für die Erzeugung benötigt wird. Hier wurden die bundesdurchschnittlichen Flächenerträge unterstellt, wie auch die durchschnittliche Futterverwertung der tierischen Veredlung.

Zum Beispiel : Um 54 kg Schweinefleisch zu erzeugen, werden incl. anteiliger Sauenhaltung 199,8 kg Getreide benötigt (Futterverwertung 1 : 3,7)
Bei 75 dt / ha Getreideertrag werden dann 2,66 Ar (a) für den Schweinefleischkonsum eines Bürgers im Jahr benötigt. Verzehrt werden davon knapp 40 kg !
Insgesamt benötigt man in Deutschland z.Zt. 0,1424 ha Ackerland , um eine vollständige durchschnittliche (mehr als ausgewogene, eiweißreiche, fleischreiche) Jahresversorgung sicherzustellen. Dabei ist der Import von Soja mit 1,25 a bereits berücksichtigt. Dabei ist wichtig zu wissen, dass wir nicht Soja(-bohnen) benötigen, sondern Sojaextraktionsschrot
(der ausgepresste Rückstand als eiweißreiches Ergänzungsfutter).
(1 Ar ist ein hundertstel ha = 10m x 10m = 100 qm).
 Daher können wir in der BRD von 16,7 Mio. ha (trotz inzwischen 2,6 Mio. ha für regenerative Energien und Industriepflanzen) netto 13,8 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche 82 Mio. Bundesbürger ausreichend ernähren !
Damit ist die Flächenproduktivität- trotz hohen Fleischkonsums- in der BRD mehr als doppelt so hoch wie im Weltdurchschnitt mit relativ geringen Fleischkonsum.

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Für jeden Einwohner werden in Deutschland 0,168 ha ldw. Nutzfläche benötigt;


bestehend aus der Gesamtackerfläche: 11,8 - 2,6 Mio. = 9,2 Mio. ha Ackerland und 4,6 Mio. ha Grünland = 13,8 Mio. ha netto für die Nahrungserzeugung.

Bei Betrachtung des Flächenverbrauchs fällt natürlich auf, dass vom Gesamtflächenanspruch nur 23,7 % Flächenanspruch für die 60,9 % kalorische Ernährung benötigt wurden aber 76,3 % des Flächenanspruchs für die 39,1 % kalorische Bedarfsdeckung aus tierischen Veredlungsprodukten.



3. Kalkulation für die Weltbevölkerung

Natürlich ist die landwirtschaftliche Produktivität auf der gesamten Welt deutlich geringer als  diejenige der bundesrepublikanischen Landwirtschaft. Aus der Statistik der vergangenen Jahre kann man etwa mit 40 bis 50 % niedrigeren Durchschnittserträgen kalkulieren.

Von einen ha Ackerland könnten dann, somit 3 bis 4 Menschen kalorisch ernährt werden. Bei 1,5 Mrd. also 5,25 Mrd. Menschen ha Ackerland weltweit. Der Ertrag des Grünlandes kann nur mit der Hälfte des Ackerlandes angesetzt werden. Bei 3,5 Mrd. ha Grünland auf dem Globus und eine indirekte Nahrungslieferung für knapp 2 Menschen je ha können über diesen Weg zusätzlich für 6 Mrd. Menschen erzeugt werden. Insgesamt ist das ein Nahrungs-Potential für 9,5 Menschen.

Nicht eingerechnet sind die vielen Verluste, die vor und während der Ernte sowie bei der Lagerung/Konservierung – insbesondere in den Entwicklungsländern – noch bestehen.
Andererseits werden in den Industriestaaten häufig mehr als 20 % der Nahrungsmittel weggeworfen. (Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum werden gleich gesetzt) bzw.
Nachmittags werden die Regale nochmals voll aufgefüllt usw.

Nicht berücksichtigt wurde bei dieser Globalkalkulation, dass die Verteilung der Lebensmittel vom Erzeugungsstandort zur Bedarfsregion erhebliche Anstrengungen bedarf und Kosten verursacht. Auch ist zu bemerken, dass in armen, Ländern mit ertragsarmen Böden und extremen Klima die Kaufkraft für Nahrungsmittel kaum vorhanden ist. Das darf uns aber nicht veranlassen, dass Menschen auf der Welt extrem hungern, obwohl Nahrung vorhanden wäre.



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